Kluger Text oder bewegte Bilder?

Ist Text von gestern? Sozusagen mehr Trecker als Tesla, jedenfalls verglichen mit Content-Flitzern wie Lifefeeds auf Snapchat oder Facebook, mit Youtube-Kanälen und Instagram-Accounts?

Ja. Klar. Ist so. Lesen erfordert einen gewissen intellektuellen Aufwand. Bilder kann man gucken. Bilder machen einfach Laune, gute oder schlechte, je nach Motiv. Verzögerungsfrei. Sie erzeugen Emotionen und Meinungen in Millisekunden.

Wozu also noch Text? Einfache Antwort: Weg damit. Aber nur dann, wenn Sie:

_Begeistern wollen, ohne zu überzeugen
_Faszinieren wollen, ohne zu erklären
_Meinung machen möchten, statt zur Meinungsbildung anzuregen.

Text informiert. (Foto: Jochen Wirtz, Düsseldorf)

Wer sich gut und ausführlich informieren will, liest. (Foto: Jochen Wirtz, Düsseldorf)

 Leser denken selbst

Denn Text verlangt beim Lesen Denken. Das hat Folgen: Ein Leser frisst Ihnen Ihren Content nicht aus der Hand. Er wägt Ihre Argumente und formt seine Ansichten darüber selbst. Er liest Ihre Geschichten, und schreibt sie in Gedanken fort.

Wenn Sie Menschen zum Mitdenken einladen, ergibt es Sinn, in der Kommunikation Text einzusetzen statt Bildern oder Videos. Wenn Sie komplexe Dienstleistungen anbieten statt bunter Brause, wenn Sie mit fundierten Argumenten überzeugen statt mit Gefühlen zu überwältigen, wenn Sie facettenreiche Entwicklungen differenziert darstellen möchten – dann ist Text genau Ihr Ding.

Außerdem ist Text interaktiv.

Wie bitte? Ausgerechnet dieses Uralt-Medium?

Ja. Denn der Leser entscheidet selbst, was er wann, wie oft und in welcher Reihenfolge liest. Bei einem Video funktioniert das nur bedingt. Man kann zurückspulen, man kann sich in einzelne Szenen hineinzappen, aber das ist oft nervig und nicht sonderlich zielgenau. Deswegen schaut man Videos linear, vom Anfang bis – bestenfalls – zum Ende.

Leser hingegen hüpfen im Text hin und her, fangen hinten an und lesen in der Mitte weiter, bleiben hängen an spannenden Stellen, springen zurück auf interessante Passagen, lassen den einen Absatz aus, studieren den anderen zweimal, lesen mal langsamer, mal schneller. Der Text zwingt dem Leser nichts auf, er bietet sich ihm als Partner an. Buchstäblich auf Augenhöhe.

Mündige Gesprächspartner erwarten Text

Wofür konkret benötigen Sie das?

_Für den Dialog. Wenn Sie mündige Gesprächspartner suchen, dann ist ein die Gedanken anregender Text der richtige Einstieg.
_Für die Phantasie. Die Bilder im Kopf sind immer die spannendsten. Fotos und Videos sind für die Vorstellungskraft so etwas wie Malen nach Zahlen. Nur Text regt die Phantasie an, ohne ihr Grenzen zu setzen.
_Für komplexe Inhalte. Wenn Ihre Prozesse, Dienstleistungen oder Produkte mehrschichtiger sind als ein Baumarkt-Video, dann lassen sie sich am besten in Worten erläutern – gut strukturiert, gut formuliert.

Fazit: Bilder gehen durchs Auge direkt in den Bauch. Soll Ihre Botschaft in den Kopf? Nehmen Sie Text.

Und noch eine Schlussbemerkung: Selbstverständlich muss der Text gut sein – gut durchdacht, gut strukturiert, gut geschrieben. Was es dazu braucht, lesen Sie zum Beispiel beim Altmeister Wolf Schneider nach in seinem „Handbuch für perfekte Texte“.

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